Wandern mit Kindern in der Sächsischen Schweiz

Mit der Bahn direkt ins Wandergefühl

Manchmal mag ich Wanderungen ja besonders dann, wenn sie schon bei der Anreise keinen Nervenzusammenbruch verursachen. Diese hier gehört eindeutig dazu. Los geht’s direkt ab Rathen, was die Anreise mit den Öffentlichen erfreulich unkompliziert macht. Kein langes Herumgurken, kein „Wo parken wir denn jetzt schon wieder?“, kein familiäres Drama vor dem ersten Schritt.

Diesmal ging es auch nicht über die Elbe, sondern wir blieben direkt auf unserer Seite. Vom Bahnhof aus nahmen wir den ersten Abzweig nach rechts und liefen bis zur Weggabelung. Dort sind wir einfach weiter nach rechts Richtung Rauensteine beziehungsweise Wehlen gelaufen und der roten Wegmarkierung gefolgt.

Schon der Anfang hatte mehr Charme, als man einer kleinen Straße erstmal zutrauen würde. Wir retteten Regenwürmer von der Fahrbahn, bestaunten Buschwindröschen und hatten ein ausgesprochen motiviertes Kind im Gepäck. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass diese Motivation zumindest teilweise mit dem einen oder anderen Schokoei zusammenhing, das der Osterhase unterwegs offenbar eher großzügig verloren hatte.

Bevor es losgeht: die wichtigsten Infos

Route: Rathen → Rauensteine → Wehlen
Länge: ca. 5 km
Dauer: ca. 2,5 bis 3,5 Stunden mit Kind
Kinderwagen: nein
Mit Kraxe: ja, mit Vorsicht
Für Kinder spannend: ja, sehr
Schwierigkeit: mittel
Trittsicherheit nötig: ja
Einkehr: Gasthof am Rauenstein, Restaurants und Eis in Wehlen
Anreise: sehr gut mit der S-Bahn
Highlight: Gratweg, Felsen, Aussicht, Fähre, Eis
Wichtig: gutes Schuhwerk und bei Nässe besonders achtsam

Hier kannst du dir die Route auf Komoot im Detail anschauen

Den Link zur Route findest du unter dem Bild.

Kartenansicht Wanderung Rathen nach Wehlen über die Rauensteine in der Sächsischen Schweiz

Link zur Wanderung Rathen nach Wehlen über Rauenstein

Kleine Felswelten, Wichtelverdacht & Bienenwohnungen

Noch bevor es richtig „bergig“ wurde, gab es rechts schon kleine Felswelten zu entdecken. Also genau die Art von Gelände, bei der Kinder sofort das Gefühl haben, sich in einer Mischung aus Abenteuerfilm, Feenwald und geheimer Wichtelkolonie zu befinden.

Wir hielten Ausschau nach Elfen und Wichteln, fanden am Ende aber nur einen Geocache. Auch nicht schlecht. Außerdem entdeckten wir im Sand kleine Löcher, die aussahen wie winzige Bienenwohnungen. Tatsächlich nisten einige Wildbienenarten bevorzugt in offenen Sandflächen oder festem, sonnigem Boden. Man läuft also schnell an kleinen Naturwundern vorbei, ohne sie als solche zu erkennen. 

Die Buschwindröschen am Wegesrand passten übrigens perfekt in dieses Frühlingsbild: Sie gehören zu den typischen Frühblühern im Wald und nutzen genau das kurze Zeitfenster, bevor die Bäume wieder komplett belaubt sind und ihnen das Licht nehmen. 

Durch den Wald bis zum Fuß des Rauensteins

Durch ein Wäldchen ging es für uns bis an den Fuß des Rauensteins. Und wie das mit Kindern eben so ist, läuft man solche Strecken nicht einfach nur ab. Man stoppt. Regelmäßig. In unserem Fall unter anderem wegen einer Schmetterlingsraupe, die natürlich ausgiebig begutachtet werden musste. Völlig zurecht.

Eine Schmetterlingraupe auf einer Holzbank.
Die kleine Schmetterlingsraupe bahnt sich ihren Weg ©Isabel Zschau

Einen ersten Halt machten wir dann im Gasthof Rauenstein. Das war genau die richtige Mischung aus Verschnaufen, Umgebung aufsaugen und kurz so tun, als hätten wir diese Wanderung vollkommen souverän im Griff.

Ein kleiner Fun Fact am Rand: Der Rauenstein ist ein Tafelberg aus Sandstein, etwa 304 Meter hoch und der markante Felszug selbst misst ungefähr 600 Meter. Genau deshalb wirkt das Ganze dort oben auch so schön zerklüftet und gleichzeitig ein bisschen wie eine natürliche Bühne mit Aussicht.

Jetzt wird’s spannend: über den Grat

Nach dem Gasthof ging es weiter am Waldbaumgeist vorbei und dann auf den Gratweg. Und da hört der gemütliche Spaziergang ein Stück weit auf und macht Platz für dieses sehr typische Sächsische-Schweiz-Gefühl: ein bisschen Treppe, ein bisschen Fels, ein bisschen „hier setze ich meinen Fuß jetzt bitte sehr bewusst hin“.

Fester Tritt und gutes Schuhwerk sind hier wirklich wichtig. Gerade hochzu können die Treppen, je nach Wetter, ziemlich glitschig sein. Der Gratweg selbst ist aber absolut empfehlenswert. Trittsicherheit sollte vorhanden sein, mit Kindern läuft man am besten aufmerksam und ohne allzu viel Seitenausflugsromantik.

Der eigentliche Gratweg über das Massiv ist bekannt für seine schmaleren Passagen, Treppen und Leitern. Dafür gibt es immer wieder weite Ausblicke ins Elbtal, zur Bastei und in Richtung Festung Königstein. Genau diese Mischung aus kurzer Anspannung und großem Panorama macht den Reiz des Rauensteins aus. 

Und ganz ehrlich: Für Kinder hat so ein Weg sowieso alles, was zählt. Es ist nicht einfach nur „laufen“. Es ist klettern, gucken, balancieren, entdecken und sich zwischendurch sehr wichtig fühlen.

Oben lang mit großem Blick

Der Grat führte für uns ungefähr 30 bis 45 Minuten oben entlang, bevor der Weg wieder in einen schönen Wald überging. Diese Passage war für mich mit das Schönste an der Tour: immer wieder Fels, immer wieder Aussicht, immer wieder das Gefühl, dass die Sächsische Schweiz wirklich eine ziemlich absurde Ansammlung hübscher Landschaftsideen ist.

Der Rauenstein gilt nicht umsonst als familienfreundliches Wanderziel mit spektakulären Blicken. Gleichzeitig ist er kein „Kinderwagen, Coffee to go und nebenbei telefonieren“-Berg, sondern eher einer der Kategorie: gut machbar, aber bitte wach bleiben. 

Ankommen in Wehlen: Zug weg, Eis her

In Wehlen angekommen, haben wir erstmal den Zug verpasst. Nicht ideal, aber auch nicht schlimm. Eigentlich war es sogar die perfekte Ausrede, den Ausflug noch ein bisschen auszudehnen.

Also fuhren wir kurzerhand noch mit der Fähre auf die andere Seite und aßen Eis. In solchen Momenten bin ich ja immer der Meinung, dass ein verpasster Zug nicht mehr als logistischer Fehler gilt, sondern als atmosphärische Reiseverlängerung.

Wehlen ist dafür sowieso ein dankbarer Ort. Es gibt dort eine kleine Kirche, Restaurants mit Elbblick, einen hübsch geschmückten Marktplatz und sogar eine Bonbonmanufaktur. In Stadt Wehlen werden tatsächlich seit 2012 handgemachte Bonbons nach traditioneller Rezeptur hergestellt – was ich als sehr solides Zusatzargument für jede Wanderung in diese Richtung empfinde. 

Blick von der Fähre aus auf die Stadt Wehlen.
Stadt Wehlen vom Wasser aus. © Isabel Zschau

Von Wehlen aus geht’s eigentlich gleich weiter

Das Schöne an Wehlen ist ja: Man kommt an und könnte direkt die nächste Wanderung planen. Von dort aus gibt es viele schöne Wege, zum Beispiel in den Uttewalder Grund oder natürlich auch in Richtung Bastei.

Für uns ging es an diesem Tag aber zurück mit der Fähre Richtung Bahnhof und dann ganz entspannt mit der S1 nach Dresden. Müde, zufrieden und mit dem angenehmen Gefühl, dass diese Tour genau die richtige Mischung aus Abenteuer, Natur und kindgerechter Entdeckerei hatte.

Warum sich die Tour mit Kindern lohnt

Diese Wanderung hat für mich ziemlich viel von dem, was Wandern mit Kindern schön macht: eine einfache Anreise, ein motivierender Start, genug kleine Dinge am Wegesrand, ein bisschen echtes Abenteuer und am Ende noch eine Stadt, in der man mit Eis, Fähre und Bonbons den Tag sehr würdig ausklingen lassen kann.

Man muss nur wissen: Der Gratweg ist kein reiner Spazierweg. Trittsicherheit, Aufmerksamkeit und vernünftige Schuhe sind hier Pflicht. Dann ist das Ganze aber eine wirklich schöne Tour, die auch Kindern das Gefühl gibt, nicht bloß mitzulaufen, sondern richtig etwas erlebt zu haben.

Kleine Fakten zum Rauenstein

Der Rauenstein ist ein markanter Sandstein-Tafelberg in der Sächsischen Schweiz, rund 304 Meter hoch und etwa 600 Meter lang. Sein Gratweg führt über schmale Felsabschnitte, Treppen und Leitern und belohnt mit weiten Blicken ins Elbtal, zur Bastei und zur Festung Königstein. 

Buschwindröschen, die euch im Frühjahr am Weg begegnen können, gehören zu den klassischen Frühblühern im Wald: Sie blühen genau dann, wenn oben in den Bäumen noch genug Licht durchkommt. 

Und diese kleinen Löcher im Sand? Mit etwas Glück sind das tatsächlich Nistplätze bodenbrütender Wildbienen. Die stehen eher auf offenen, sonnigen Boden als auf dekorative Insektenhotels aus dem Baumark

Das Letzte zum Schluss

Vielleicht ist genau das auch das Schöne an solchen Touren: dass sie nicht perfekt durchgeplant sein müssen. Dass man stehen bleibt, weil irgendwo eine Raupe sitzt, ein Schokoei auftaucht oder der Blick plötzlich wichtiger ist als das Ankommen.

Für uns war die Wanderung genau die richtige Mischung aus Bewegung, kleinen Abenteuern und diesen leisen Momenten zwischendurch. Und falls du dich fragst, ob die Tour zu euch passt oder worauf du achten solltest – unten findest du noch ein paar kurze Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Häufig gestellte Fragen zur Wanderung über die Rauensteine

Ist die Wanderung über die Rauensteine mit Kindern geeignet?

Ja, grundsätzlich schon. Der Weg ist abwechslungsreich und spannend, vor allem durch Felsen, Wald und Aussicht. Am Grat ist allerdings Trittsicherheit und Aufmerksamkeit nötig.

Kann man die Tour mit Kinderwagen machen?

Nein, der Weg ist dafür nicht geeignet. Spätestens am Rauenstein und auf dem Grat gibt es Treppen und schmale Passagen.

Ist die Strecke mit Kraxe machbar?

Ja, aber nur mit etwas Erfahrung. Einige Stellen sind enger und erfordern einen sicheren Tritt.

Wie lang dauert die Wanderung?

Mit Kindern solltest du etwa 2,5 bis 3,5 Stunden einplanen – je nachdem, wie viele Pausen ihr macht.

Gibt es Einkehrmöglichkeiten unterwegs?

Ja, am Rauenstein gibt es einen Gasthof. In Wehlen findest du außerdem mehrere Restaurants, Cafés und Eis.

Wie anspruchsvoll ist der Gratweg über den Rauenstein?

Nicht extrem schwierig, aber definitiv nichts für nebenbei. Bei Nässe kann es rutschig werden, daher lieber vorsichtig gehen.

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