My lovely Mr. Singing-Club

A̱ben·teu·er Substantiv [das]

Als Abenteuer (lat.: adventura: „Ereignis“; mittelhochdt.: aventiure) wird eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis bezeichnet, das sich stark vom Alltag unterscheidet. Es geht um das Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas Wagnishaltiges zu unternehmen, das interessant, faszinierend oder auch gefährlich zu sein verspricht und bei dem der Ausgang ungewiss ist. In diesem Sinne gelten und galten Expeditionen ins Unbekannte zu allen Zeiten als Abenteuer
(Quelle: wikipedia)

Ich wurde weder von einem Tiger gebissen, noch von einer Schlange hypnotisiert oder wachte in dem übersäuerten Magen eines Wales auf. Nein, ich wollte eine Glühwürmchenhöhle sehen. Doch zurück zum Anfang.

Aston’s Onkel gab uns den Tipp einer Glühwürmchenhöle in Pohangina, im Süden der Nordinsel Neuseelands. Er versprach uns wunderschöne Wasserfälle, Glühwürmchen zum Anfassen und den schöhööönsten Campingplatz, den es in ganz Neuseeland gibt.

Astons Onkel war überhaupt eine Marke für sich. Am Morgen gab es bereits das erste Bier und nen Joint. Leider hatte er auch Pech mit seinen Beißerchen, aber das ließ ihn (ich hoffe das ist auch noch so) nie das Lachen verderben. Alles in Allem war bzw. ist er sehr sehr herzlicher Mensch, immer gab er uns Kleinigkeiten zum Essen, machte uns Feuer und hieß uns herzlich willkommen.

Kurz bevor wir aufbrechen wollten, skizzierte er uns die Wegbeschreibung auf einem Blatt Papier, dann verabschiedeten wir uns und machten uns auf ins „Abenteuer“.

Fakt Nummer 1: Um zum Ziel zu kommen halte Karten/Wegbeschreibungen immer (wirklich immer) richtig herum!

Once a company, two’s a crowd!

Die Fahrt wollte und wollte kein Ende nehmen und stundenlang holperten wir über Stock und Stein – und das mit unserem kaputten Oskar. Nach einigen Flüchen später, erreichten wir den Campingplatz zu später Stunde. „Closed in fall“ – „Im Herbst geschlossen“. Verdammt!

Fakt Nummer 2: Öffnungszeiten beachten!

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Wir hatten Glück im Unglück und der Campingplatzbesitzer wohnte gleich um die Ecke. Er wirkte etwas verwirrt, dass jetzt noch Touristen zum Campen kommen. Während er das sagte, blickte ich auf meine roten Handschuhe. Als ich ausatmete, schaute ich dem hellen Dampf hinter her.

Kostenlos durften wir auf einem seiner Campingplätze übernachten. Es gab zwei. Einen linken und einen rechten. Selbstverständlich nahmen wir den Linken, denn es stand Plumsklo vs. Spülklo und überhaupt schien auf dem Linken die Luft viel besser. Heimlich schlichen wir uns, sofern es sich mit einem Van schleichen lässt, auf den linken Campingplatz.

Das Areal war riesig. Mein Lieblingsmonat Herbst färbte die Bäume und Sträucher in wunderschöne Farben.

Das lauwarme Wasser aus der Dusche war uns egal. Wir waren im Garten Eden und wir waren allein.

Alcohl is not the answer, but makes you forget the questions.Leider gehöre ich nicht zu den entscheidungsfreudigsten Personen und so hatte ich einige Schwierigkeiten einen geeigneten Stellplatz für unseren Oskar zu finden. So ist das mit den vielen Optionen, gibt es zuviel, kann man nur probieren. Also kreisten Oskar und ich unseren Stellplatz ordnungsgemäß ein. In meinen Augenwinkeln sah ich die kopfschüttelnde Louise.

Dieser Moment erinnerte ich mich an meine gute Fee. Nein, ich bin nicht von allen guten Geistern bzw. Feen verlassen. Die Rede ist von einem Golden Retriever eines guten Freundes und sie hatte großen Spaß Stöckchen zu fangen beziehungsweise und zu unserem Leidwesen halbe Baumstämme.

Sie war nicht der beste Spürhund und so verhalf sie sich mit der wunderbaren Methode ihre „Beute“ einzukreisen. Immer schön von außen nach Innen. MEIN Hund, übrigens ein Spürhund, der nur Essen oder totes Getier aufspürte, interessierte sich nicht die Bohne für geworfene Stöckchen. Doch das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hier her.

Als der perfekte Stehplatzt gefunden, begann der Magen zu knurren. Unsere Essensvorräte waren bescheiden: Käse, Brot, Wein. Wir aßen und tranken und waren so in unsere Gespräche vertieft, dass wir die Zeit vollkommen vergaßen. Erst als der Mond schon hoch am Himmel stand, bemerkten wir, wie spät und vor allem wie kalt uns war. Und was hilft gegen Kälte? Bewegung.

Also wurde der iPod angestöpselt, die Lautstärke auf maximum gestellt und ab ging die Post. Wir tanzten und lachten und tanzten bis wir glühten. Bald war uns so warm, dass wir uns nach und nach unserer Kleidung entledigten. Der Wein floss, der Mond lachte und die Sterne funkelten. Die Hexen von Eastwick hatten riesigen Spaß. Nur mit Wanderboots bestückt, hüpften wir im Mondschein über das nasse Gras und verloren komplett unser Zeitgefühl. Nachdem uns wieder kalt wurde, wer hätte das gedacht, verlagerten wir die Party in den Van und jubelten und grölten bis tief in die Nacht. Irgendwann, ja irgendwann gingen wir zu Bett. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht wann ich weiß nur, dass der Wein alle war und das dies die einzige Tragödie an diesem Abend war.

Der nächste Morgen // Buschfunk // Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwachDie Sonne kitzelte meine Nase. Ich blinzelte schwer durch meine Augen, legte mich auf den Rücken und hatte furchtbare Kopfschmerzen. Ich schaute auf die Uhr, es war mittag. Ich tastete auf in mein Gesicht und entfernte ein Stück von dem Käsepapier. Ich begann zu schmunzeln. Andere bauen Häuser, andere bekommen Kinder und sind verheiratet. Mir klebte Käsepapier auf der Wange.

Fakt Nummer 3: Ich trinke nie wieder (Anm. d. Redaktion – ja sicher!)

Die Sonne strahlte vom Himmel. Es war der perfekte Herbsttag. Mit Sonnenbrille auf der Nase genossen Louise und ich ein dürftiges jedoch herrliches Katerfrühstück. Unerfreulicherweise ohne Käse.

Jäh` wurden wir von der Stille unterbrochen und ein Auto fuhr auf uns zu. Uns blieb das Katerherz stehen. Schließlich durften wir hier überhaupt nicht sein. Wir suchten krampfhaft nach einer adäquaten Ausrede. Eine Dame stieg aus dem Wagen und lief mit ernstem Gesicht auf uns zu. Wir begrüßten sie so freundlich wir konnten. Womöglich glich unser Lächeln eher einer Grimasse. Überraschenderweise erwiderte sie die das Lächeln, gesellte sich kurz zu uns und stellte fest welch wunderschönes Wetter doch heute sei.

Anschließend fragte uns die Dame, ob wir ebenfalls den Lärm in der Nacht gehört hätten. Louise schaute zu mir, ich schaute zu Louise. Wir schüttelten unschuldig den Kopf und bewunderten insgeheim die Boxen von Oskar.

Der Weg ist das Ziel.
Auch wenn mir einige nicht glauben werden, doch auch ich bin gern vorbereitet. Somit schlug ich meiner Engländerin einen vorab-Besuch in der Glühwürmchenhöhle vor.
Vergnügt und etwas „hangovered“ stiefelten wir los und folgten einem anspruchslosen Naturpfad, welcher in einen dichten Wald führte. Auch die Neuseeländer lieben die Vorbereitung und nageln pinkfarbene Plastikwegweiser in die Bäume — allerdings führen diese ins Nirgendwo. Auch wenn der Weg das Ziel ist, da wo ein Weg sein sollte, war keiner. Nur Gestrüpp, Geäst, Tierkadaver, deren Darmexkremente und Plastikpfeile.
Wir kämpften uns also durch das Gestrüpp und  bald erreichten wir ein Gehege mit kaputten Zaun. Wir freuten uns, eine Abkürzung gefunden zu haben, doch plötzlich standen wir Angesicht zu Angesicht einem großen Bullen entgegen.IMG_1928

Mir blieb mein Herz in der Hose stecken. Ich weiß schon, es heißt entweder „Mir blieb das Herz stehen oder mein Herz fällt in die Hose“ doch in diesem Moment traf beides zu. Ich muss sagen, dass das Rotkäppchen Nerven aus Stahl gehabt haben muss. In einem solchen Moment noch zu fragen, warum der Wolf so ein großes Maul hat. Für uns hieß es jetzt dennoch Ruhe bewahren und sachte den Rückwärtsgang einlegen. Vorsichtig verließen wir das Gehege, der Bulle folgte uns bestimmt und laut schniefend. Das Herz klopfte uns bis zum Hals. „Na wenn das mal gut geht.“

Fakt Nummer 4: Zäune gibt es aus gutem Grund. 

Schnell schlugen wir uns wieder in die Büsche und fanden auch die Pfeile wieder. Zugegeben, wir hatten auch ehrlich keinen Spaß mehr und wollten nur noch zum Campingplatz. Unser Wunsch wurde erhört und dank dessen hörten wir die Straße. Sehr gut! Denkste. Die Pfeile hörten einfach auf zu… ähhhm…  pfeilen und wir standen vor einem enormen Dornenbusch welcher uns 2 Meter vom Ziel, der Straße, abhielt.
In diesem Moment wurden wir wirklich stinkig. Seit 2 Stunden irrten wir durch das Gestrüpp, wurden fast von einem Bullen gefressen, von Ameisen gebissen, von Puma’s verfolgt und dann das?
Wir schimpften und fluchten und versuchten uns erfolglos durch den Dornenbusch zu kämpfen – unseligerweise waren die Dornen stärker als wir.
Die Nacht brach herein und Umkehren kam nicht mehr in Frage. Als ich bereits anfing Holz für eine Treppe zu sammeln hörte ich Louise aufgeregt rufen:

„Isa, Isa, Isa – the way is here! I found it!!!!!“ Ich antwortete angesäuert: „This isn’t a WAY. Not at all“ aber folgte ihrer Stimme. Und siehe da? Wie von Zauberhand standen wir auf der Straße. Fassungslos sahen wir uns an: zerzaust, zerstochen, blutige Striemen im Gesicht und Geäst in dem Haar – vom Hangover keine Spur mehr. Und was war mit der Glühwürmchenhöhle? Nüscht.

Ich blickte nach Süd-Ost (also ob ich wüsste wo Süd-Ost liegt, aber das zu sagen klingt klasse). Knapp 500 Meter Luftlinie von uns entfernt entdeckte ich unseren Campingplatz. Für 500 Meter brauchten 2,5 Stunden! Im Schweiße unseres Angesichts (oder im Angesicht unseres Schweißes?)  schlurften wir kopfschüttelnd „nach Hause“. Zufälligerweise trafen wir auf unserem Rückweg auf den Campingplatzbesitzer.
Wir fragten ihn wo denn die Glühwürmchenhöhle sei. „Nur hier die Straße hinunter und dann links.“

Argggh!

Thats it oder Ende im Gelände
Gegen 20 Uhr, es war bereits zappenduster, machten wir uns auf zu den Glühwürmchen. Ausgerüstet mit Taschenlampe, Tee und Kompass bestiegen wir den Pfad zur Glühwürmchenhöhle. Um das Abenteuer spannender zu gestalten, redeten wir uns ein, dass hinter jeder Ecke ein Psychopath oder Axtmörder auf uns warten könnte.
Leider waren diese Hirngespinste die spannendsten. Wir konnten es kaum erwarten 10.000 Glühwürmchen in einer moosbedeckten Tropfsteinhöhle inkl. Wasserfall zu bewundern.
Was fanden wir vor? 30 Glühwürmchen hingen faul an der Wand, von Stalaktiten und Stalagmiten keine Spur und der Wasserfall war ein niedliches Rinnsal, welches in eine  schlammige Pfütze tropfte.
Verdutzt standen wir da und schauten uns entgeistert an. Bis Louise sagte: „That’s it!“. Lachend machten wir kehrt und kommen nun zu

Fakt Nummer 5: Keep on smiling or Life is a grand adventure. Go live it. Even when it’s just about Glowworms. 491

 

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Neuseeland und die Axt im Walde

Innerhalb von 50 Tagen kann viel passieren oder auch nicht. Wir hatten beides.

Alles eine Frage der Aussprache
Wir blieben einige Tage im Brown Kiwi in Auckland und haben mal so gar nix gemacht. Erstmal ankommen sacht Mutti immer. Unsere Highlights waren die Beantragung der Steuernummer, des Bankkontos und der Autokauf. Theoretisch lassen sich die Dinge in 3 Tagen erledigen, aber Mutti sacht auch immer: der frühe Vogel kann mich mal. Jeder Tag begann mit einer warmen Dusche und einer motivierten to-do Liste. Jedoch befand sich im Garten des Hostels ein kleines Bermudadreieck mit Kleber auf den Sitzen, auch genannt Gartenbank mit Sonnenseite. Teilweise haben wir uns nicht vom Fleck bewegt und ich ging mit meiner to-do Liste wieder ins Bett.

Eines Abends unterhielten wir uns mit zwei schnuckeligen Franzosen – *hach, dieser Akzent* – über Gott und die Welt. Alex erzählte von seinem größten Vorbild, einem sehr erfolgreichen französischen Raper. Mein erster Gedanke: Vorlieben hin oder her und ja, auch wenn es erotisch aus deinem Mund klingt, aber ein französischer Vergewaltiger geht eindeutig zu weit. Es stellte sich heraus, dass er einen Rapper meinte. Tja, Akzent ist manchmal eben auch ’ne Bitch.

Oskar

Der Autokauf verlief zügig. Mit Emil im Schlepptau (unserem bärtigen Hut-Kumpel aus Dänemark) ging es am Ostersonntag auf den Automarkt. Ich dachte mir, es kann nicht Schaden einen Mann mit Hut dabei zu haben. Schon von weitem habe ich mich sofort in einen weißen Van verliebt und rannte wie von einer Tarantel gestochen auf ihn zu. Nach einem kurzen Blick in den Innenraum meinte ich zu den deutschen Jungs, dass ich den Van haben will. Louise stimmte begeistert zu, doch „the real Oskar“ (Verkäufer und gleichzeitig Namensgeber) schlug vor, dass ich doch erstmal Probe fahren sollte. Mooooahr, immer diese Deutschen.

Die Jungs brachten uns zwei Tage später den Van ins Hostel. Als ich meinen Daheimgebliebenen mit geschwollener Brust von meinem ersten Autokauf erzählte, wurde ich gefragt, welche Marke und wie viel Kilometer Oskar hätte. Meine Antwort: „Der Van ist weiß und hat vier Räder“.

Aufbruchsstimmung
Nach unserem einwöchigen Aufenthalt machten Louise, Oskar et moi uns auf in den Norden – an das Ende der Welt. Unsere Route führte uns entlang der Ostküste Neuseelands und ich begann das Camperleben zu lieben. Bei Regen liebte ich das Camperleben weniger und diesbezüglich darf ich meine Meinung ändern so oft ich will, ich bin schließlich eine Prinzessin.

Teilweise verbrachten wir die Nächte auf den kuriosesten Campingplätzen, die einen eher an das Texas Chainsaw Massacre als an einen romantischen Zeltplatz erinnern. Vereinzelt finden sich kleine verrostete Wohnanhänger mit quietschenden Hängelampen und der Eindruck von Tot und Verderben verbessert sich nachts nicht wirklich. Da kann der Axtmörderer doch nicht weit sein? Eines Nachts (wenn ich ehrlich bin nicht nur einmal, sondern bei sich jeder bietenden Gelegenheit) überfiel uns eine solche Paranoia, dass wir uns im Van versteckten, die Türen verrammelten und vor Angst nicht schlafen konnten. Jeder Busch hatte Augen sowie eine eigene Persönlichkeit und jeden Moment erwartete ich eine tote Katze an meiner Fensterscheibe. Glücklicherweise kommt so ein Axtmörderer ja auch nicht in den Van, wenn er merkt, dass die Türen verschlossen sind. Am nächsten Morgen wurden wir von süßem Vogelgezwitscher, einem Hoppelhäschen, Mietzekatzen (lebend), Meeresrauschen und einem wunderschönen Sonnenaufgang geweckt. Nachdem ich meine Autoschlüssel von außen steckend an der Fahrertür gefunden habe, waren auch die Büsche glücklich.

Bunjeejumping, Rafting und Skydiving
Mit dieser Zwischenüberschrift will ich euch eigentlich nur verwirren. Nüscht davon haben wir gemacht. Dafür habe ich ganz viele Muscheln und Steine gesammelt – wer braucht Skydiving, wenn er Muscheln sammeln kann?
Wir verbrachten ca. zwei Wochen im Utea Park bei den Maoris Paul und Tanja am 90 Mile Beach (welcher eigentlich 90 Kilometer Beach heißen sollte, aber da waren wohl wieder die Briten am Werk). Wir hatten weder Strom noch Internet und verloren in der kleinen Geistergegend komplett das Zeitgefühl. Wir wachten bei Sonnenaufgang auf und gingen teilweise mit den neuseeländischen Hühnern schlafen. Jeder einzelne Tag verging nicht ohne herzliches Lachen und ich glaube ich war verrückter als zu Hause (ja, es gibt eine Steigerungsform).

Cruise

Wir machten lange Spaziergänge durch Flora, Fauna und Sand unter anderem mit unserem Kumpel Cruise (Cruise ist der knuffeligste, sabberndste Hund mit dem größten Kopf der Welt), sammelten Muscheln, Holz und Steine, stolperten regelmäßig über tote Tiere, verbrachten tolle Nächte mit tollen Menschen am Lagerfeuer inklusive Bier, Gitarre und Gesang, spielten Tennis, Fußball (hier spielte der Ball eher mit mir) und Volleyball, sausten mit den Buggyboards über die Sandünen, lernten majoranische Bräuche, veranstalteten Kochabende mit eigens gesammeltem Shellfish, malten ein Schild für unseren Van oder suchten am Strand Walkacke – letzteres leider ohne Erfolg. Auch warf ich mich mit dem Surfboard in die Wellen. Ich sah gut aus, als ich mit dem Board ins Wasser gelaufen bin und wieder herauskam. Im Wasser hab ich immer so getan, als hätte ich keine Lust.

Teilweise verbrachten wir die Nächte allein im Utea Park und so ohne Strom isses schon dunkel. So manch‘ verhexte Vorkommnisse ließen uns nicht schlafen. Eines Nachts saßen Lou und ich auf unserer Bank und bewunderten diesen wunderbaren Sternenhimmel. Ich eilte zum Van, weil ich etwas vergessen hatte und … siehe da … da hat sich der Schlingel einfach verschlossen. Interessanterweise lagen die Schlüssel IM Van. Glücklicherweise konnten wir die Tür öffnen, leuchteten jedoch jeden Winkel des Vans aus – auf der Suche nach Monstern oder Axtmörderern.

Eine andere Nacht wurde ich vom Fahrerlicht im Van geweckt. Louise schlummerte neben mir gemütlich und tief und nachdem ich beschlossen hatte, dass sie nicht mehr schlafen kann, beteuerte sie, dass sie das Licht nicht angemacht hat. Hätte ich an ihrer Stelle auch gesagt. Ich wollte das Fenster öffnen, um meiner Schnappatmung Sauerstoff zu geben. Kurioserweise war das Fenster bereits geöffnet und NEIN, wir waren es nicht. Ich versteckte mich unter der Bettdecke und wartete auf die tote Katze am Fenster.

Wir beschlossen, bevor der Axtmörderer zu uns kommt, werden wir zum Axtmörderer und schliefen mit selbiger im Van (als ob wir die im Notfall hochheben und Geister zerhacken könnten, geschweige denn bei dem Chaos finden würden).

Am nächsten Tag wünschte ich mir vom Universum Gäste. Hier habe ich gelernt, dass man immer aufpassen muss, was man sich vom Universum wünscht. Eine 20-köpfige, neuseeländische Familie machte sich die nächsten drei Tage auf dem Campingplatz breit – mit fünf Kindern, welche unglaubliche Freude am Trampolinspringen hatten. Das Trampolin stand direkt neben unserem Van. Louise war etwas böse auf mich.

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns vom Utea Park, doch es wurde Zeit. Weiter ging es Richtung Süden. Wir umrundeten den rechten Nordzipfel, fuhren die schönsten Serpentinenstraßen der Welt entlang, wanderten in den tiefen Wäldern, taumelten über Schwingbrücken (ok, ich taumelte und Louise hat mich geärgert), kajakten über den Taupo See, aßen in einem bayrischen Restaurant Pizza, badeten in heißen, natürlichen Thermalquellen nahe der Huka Falls sowie in den Gewässern des Kerosene Creek und bewunderten die Schönheit der Natur in 1800 Höhenmetern bei dem Tongariro Alpine Crossing. Ja, ihr könnt neidisch sein – es war atemberaubend.

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Crash Boom Bang
Von Tongariro ging’s weiter nach New Plymouth. Grey, ein lieber Neuseeländer meinte, wir fahren bis zum Ziel nur 3 Stunden. Jetzt wissen wir, dass wir die Zeit immer mal 2 rechnen müssen. Nach 7 stunden erreichten wir die Stadt, hatten beide die Nase(n) gestrichen voll und waren hundemüde. Ich bog rechts in eine Straße, übersah den Gegenverkehr, weil ja falsche Seite und so und dann CRASH!!! Nach einem enormen Knall in die linke Seite sah ich eine Mauer immer näher kommen und dachte: „das ist ungut“, trat unter Schock auf die Bremse und kam 10 cm vor der Mauer zum stehen. Zum Glück blieben alle unverletzt. Die Polizei war sofort an Ort und Stelle und schien enttäuscht, dass es sich um einen normalen Crash handelte. Ich heulte so vor mich hin und als Quintin, der Fahrer des anderen Autos mit Totalschaden, auf mich zu kam, machte ich mich auf ein Gewitter gefasst. Überraschenderweise nahm er mich in den Arm, drückte mich fest und herzlich, tröstete mich, gab mir eine Zigarette und sagte: „Alles gut, ist doch nur Blech“. Anschließend lud er uns zu sich nach Hause ein.

Das Polizeiprotokoll wurde zügig erstellt. Ich stand nur etwas unter Schock und verstand nicht recht was die Männer in schwarz-blau von mir wollten. Ein Polizist hielt mir ein Gerät unter die Nase und ich pustete genüsslich rein, da ich meinte es handle sich um eine Alkoholkontrolle. Lachend klopfte mir der Herr Polizist auf die Schulter und meinte, ich solle nicht hineinbeißen, sondern meinen Namen sagen. Ein anderer Polizist rief mir von weitem etwas zu und streckte mir liebevoll die Hände entgegen. Glücklich legte ich meine kalten Hände in seine warmen und war über diese Herzlichkeit so überrascht, dass ich umso enttäuschter war, als dieser nur die Autoschlüssel haben wollte.

Quintin nahm uns mit in sein Haus, machte uns Tee, Abendbrot, verteilte Whiskey und schlug uns vor bei sich und seinen Housemates solang zu bleiben, wie wir möchten. Am selben Abend gingen wir alle in eine Bar, spielten Pool und er gab uns Bier und Schnaps aus. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal festhalten, dass ich sein Auto geschrottet habe. Glücklicherweise konnte Quintins Cousin den Schaden an Oskar soweit beheben, dass wir weiterfahren konnten. Die eine oder andere lustige Geschichte ereilte uns in New Plymouth – doch Lou und ich sind uns einig: What happend in New Plymouth, stays in New Plymouth.

You sound funny
Auf dem Weg nach Wellington schliefen wir zwei Tage auf einem Campingground nähe des Taranaki. Als ich morgens für Lou und mich meine ersten porched Eggs zubereitet habe, hatte ich Gesellschaft von einem dicken, bärtigen Neuseeländer, der mir Früchte zum Frühstück schenkte sowie Grapefruits und Bratwürste (klasse Kombi) anbot. Einfach so.

IMG_4796Neben den üblichen Tieren (Hund, Katze, Muschel) spielte ich diesmal mit dem kleinen 5-jährigen Aston Golf und Fussball. Sein Bruder heißt übrigens Bentley. Das ist kein Spaß. Blöde Namen gibt es also auch hier. Der Kleine war richtig süß und wich mir einen Tag lang nicht von der Seite. Als ich die ersten Worte mit ihm wechselte, sah er mich verwundert an und meinte nur: You sound funny, but I like you. Wir malten gemeinsam, kitzelten uns durch, er stellte mir tausend Fragen, wir ärgerten die Katze, fanden Zaubersteine oder warfen uns in den Sand.

Am Abend unterhielt ich mich nochmals mit dem dicken, bärtigen Neuseeländer. Will heißen, er redete und ich hörte zu. Er erzählte mir, von guten und von schlechten Menschen, seiner Kindheit, seinen Eltern, seiner Familie, Teufeln, Engeln und Angeln. Er meinte ich soll meine Zeit hier genießen, denn ehe ich mich versehe, hab ich Kinder und mein Leben sei vorbei. Er hat 5 Töchter im Alter von 2 bis 24 Jahren. Ohne urteilen zu wollen entwickelte ich Verständnis für seine Denkweise. Auf meine Frage hin, wo ich Tabak kaufen könne, antwortete er empört wie ungesund Rauchen sei. Ich könne jedoch etwas von seinem Gras haben. Alles klar! Die rauchen das Zeug übrigens pur…

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Panik auf dem Taranaki
Mein größter Wunsch wurde wahr und wir bereiteten uns auf eine Wanderung auf den Taranaki vor. Die Nacht vor der Wanderung schliefen wir kostenlos auf dem Parkplatz unterhalb des Taranakis und erlebten eine der kältesten Nächte, seit wir hier sind. Als wir aufwachten waren die Innenscheiben gefroren und die Nasenspitzen eiskalt. Dafür gibt es nichts schöneres, als den Berg bei Sonnenaufgang und Kaffee zu genießen. Ziel war der Syme auf 1900 Höhenmetern. Die letzten 200 Meter bis zum Gipfel bestanden nur aus losen Steinen und Geröll und die Füße fanden einfach keinen halt. Doch langsam ging’s aufwärts und der Gipfel winkte uns zu. Als ich mich umdrehte und Louise etwas zurufen wollte, war sie auf einmal nicht mehr da. Ich schaute umher und fand sie etwas abseits am Hang klebend. Es ist mir ein Rätsel wie sie das geschafft hat, doch ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bei dem Anblick schmunzeln musste. Wie Spiderman klebte sie auf dem Geröll, alle Viere von sich gestreckt. Ich eilte zu ihr und versuchte sie zu beruhigen, sie solle einfach los lassen, es passiert schon nix, sie rutscht maximal ein wenig nach unten. Aber sag mal nem Schiffbrüchigen, er muss nur schwimmen. Die Arme hingen einfach fest, sie hatte Panik und kam weder vor und zurück – irgendwie habe ich es mit gut Zureden und Humor geschafft und sie konnte sich aus ihrer misslichen Lage befreien. Zum Glück. Selbstverständlich drehten wir nach einigen Minuten Pause um und Lou wollte, dass ich vorgehe. Ich surfte jubelnd wie ein kleines Kind das Geröll herunter, machte mir noch so über den Abgrund Gedanken, aber es ist alles gut gegangen. Danke, meine Rike, für diesen fantastischen Tipp. Über beide Ohren grinsend wanderten wir zurück und auch wenn nicht ganz geschafft, ist es ein unglaublich tolles Gefühl auf einem Berg zu sein.

Der Zuckerkoller und eigentlich will ich nix von dir wissen, frage aber trotzdem
Die Neuseeländer sind sehr hilfsbereit, lieb und nett. Das steht außer Frage. Eines Abends wurden wir zum Essen eingeladen und herzlich aufgenommen. Alles aber auch alles am Essen war gezuckert, selbst die Chickenwings. Immer rein mit dem Zeug, ich glaube Zucker ist das neuseeländische Maggi. Selbst der süße Schokoladenkuchen wurde mit Caramelsoße und ’ner überdimensionalen Portion Eis serviert. Neugierig wie die Neuseeländer sind wurden wir mit Fragen bombardiert und alle wollten so ziemlich alles von uns wissen. Leider hält diese Neugier nur zwei Minuten und sobald wir erzählten, was unsere Eltern arbeiten, richtete sich deren Interesse wieder auf das im Fernsehen laufende Rugbyspiel. Da unsere Antworten keine Rolle zu spielen scheinen, beschlossen wir beim nächsten Mal zu antworten: wir sind die Töchter von erfolgreichen Axtmörderern.

Fortsetzung folgt.

Singapur, Auckland und das getapte Windspiel

Meine Lieben, ich weiß ich bin euch einige Geschichten schuldig. Mittlerweile bin ich seit ca. 2 Monaten unterwegs, die Zeit vergeht unglaublich schnell. Aktuell sind Louise und ich nähe New Plymouth und während ich den Beitrag veröffentliche wird meine Nase von einer frischen Meeresbrise umweht und ich sitze an einem Sandstrand. Wir haben eine wunderschöne, doch auch turbulente Zeit hinter uns. Da ich jedoch gern die Chronologie einhalten möchte, gibt es kleine Kapitel aus Singapur und meine Ankunft in Auckland. Außerdem: Geduld ist eine Tugend. Viel Spaß beim Lesen. Fühlt euch alle fest umarmt!

Singapur – Chew ban area

Nachdem ich mich schon aufgrund meiner nicht angemeldeten Reiseapotheke und meinem nicht versteuerten 40 Gramm Tabaktütchen im Kittchen von Singapur gesehen habe, verlief der Check-out absolut unkompliziert.

Mit offenen Armen empfingen mich Jo und Karsten am 8. April um ca. 21.30 Uhr. Was folgten waren: Hitze, Dusche, Hitze, Bier, Hitze, Dusche, Hitze, Bier, Hitze, Bett, Hitze, Dusche, Hitze und Schwitzeschweiß.

Singapur hat 3 Jahreszeiten: Hot, hotter, hottest. Ich weiß nicht, wie die Singapurianer die Hitze bewerkstelligen aber ich fühlte mich nach 3 Sekunden ohne Klimaanlage wie eine Sardine in einer Sauna mit 50 Finnen ohne Tür (die Finnen ergeben keinen Sinn, klingt im Kontext einfach lustig).

Doch Singapur machte die Hitze wieder wett und ich sah die schönsten Facetten und Sehenswürdigkeiten Singapurs. Ich aß das leckerste Essen und trank das schwächste Bier. Im Übrigen gibt es keinen Kaugummi in Singapur.

Ich verlor mein Geld bei ausgedehnten Shoppingtouren oder ließ es mir bei Wellness und Spa richtig gehen. Während meiner Pedi- und Maniküre lief ein Actionfilm ohne Ton aber mit chinesischem Untertitel mit Vin Diesel. Aller 3 Minuten wurden Menschen getötet, geschlachtet oder in Stücke zerlegt. Entspannung pur.

Auch der Regenwald wurde erkundet. Nachdem die Singapurianer bis auf 1% abgeholzt haben, sind sie nun stolz wie Bolle noch ein Stück Regenwald zu besitzen. Karsten und ich haben uns ca. 2 Stunden durch den kleinen Urwald gekämpft. Es gab Affen und ich habe noch nie in meinem Leben gehört, wie laut die Natur ist. Mehrere Grillenarten, Vögel und andere Insekten zirpten, zwitscherten und summselten um die Wette und das in den verschiedensten Lautstärken, Tiefen und Höhen. Was man aber generell bei einem Regenwaldbesuch beachten sollte, ist die Mitnahme eines geeigneten Moskitosprays. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Die Kakerlake und das Ich.

Als ich an den süßen Lädchen und Büdchen Chinatowns entlang schlenderte, begann es zu nieseln, dann zu regnen und anschließend hat es geschüttet. Ich konnte mich gerade so unter einem Blechdach retten und gesellte mich zu einem malaysischen und indischem Pärchen. Das Wasser fand unter dem strömenden Regen keinen Abfluss und stieg immer weiter an. Der Malaysier sprang beherzt auf und befreite die Abflüsse von den Brettern. An und für sich eine „kluke“ Idee, nur fanden unter diesen Brettern ca. 20 riesige Kakerlaken ihr zu Hause. Sie schossen auf uns zu oder sprangen in das Wasser und schwammen in meine Richtung. Womit auch die Frage geklärt wäre, ob Kakerlaken schwimmen können. Der Malaysier rief zu mir: „kill kill kill“ aber ich dachte nicht daran. Vielleicht will ich mal Buddhistin werden, wie sieht denn das dann aus. Dem Malaysier schien sein Karma egal zu sein und tötete Onkel Paul, Tante Erna, John, Augusta, Lord Helmchen und wie sie nicht alle hießen. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, was wäre, wenn die Kakerlake mit den gleichen Charakterzügen flauschig wäre und runde Glubschaugen hätte? Ich bin der Meinung sie wird in unserer Gesellschaft diskriminiert. Ein Rudel Schmetterlinge richtet bestimmt mehr Schaden an als, so eine kleine knusprige Kakerlake. Mag sich jmd. dieser Diskussionsrunde anschließen? Irgendwer? Nein? Gut. Da können wir das eben so nicht mehr machen.

Little India

Da ich schon einmal in der Nähe war und mir Jo’s Bruder Little India empfohlen hatte, entschloss ich mich im Restnieselregen nach Little India zu spazieren. Ich stiefelte an den kleinen chinesischen Ständen und Fressbuden vorbei und kam schließlich auf der Straße raus, wo ich dachte sie läge in der anderen Richtung. Was für eine Überraschung. Ich checkte noch mal kurz die Karte, vergewisserte mich bei einem Passanten, dass ich jetzt auch wirklich in die richtige Richtung laufe, doch und es ist mir auch langsam ein Rätsel, lief ich komplett falsch. Theoretisch sind es von Chinatown nach Little India nur 15 Minuten. Doch ich musste 20 Minuten laufen die MRT (U-Bahn) nehmen und 2 mal umsteigen um anschließend 15 Minuten fahren.

In Little India angekommen (Mama, du überspringst jetzt bitte diesen Absatz) stiegen mit mir ein Dutzend Inder (Männer) aus und tausend kamen mir entgegen. Langsam fing ich über den Namen „Little India“ nachzudenken. Ich tingelte mit meinen blonden offenen Haaren und meinem neuem, an diesem Ort definitiv zu kurzem Kleid zum Ausgang und schon bald, wurde ich von einer indischen Männergruppe umzingelt. Sie schnüffelten und betatschten meine Haare und wollten, wissen wer ich bin. Sie erinnerten mich an die Kakerlaken und ich dachte an des Malaysiers Worte. Ich verließ mich auf meine Intuition und schlug kurzerhand theatralisch den Rückweg in die sichere U-Bahn ein.
Little India – nein Danke.

Ankunft in Auckland

Nach meinem wirklich äußerst angenehmen Flug – 2 Sitze am Fenster für mich allein, toller Service und leckeres Essen – habe ich bis über beide Ohren gegrinst, als ich in Auckland angekommen bin. Ich hätte das viellicht lassen sollen. Ich glaube, die Security dachte ich hab Drogen genommen. Ich musste eine Stunde auf dem Flughafen bleiben, ich wurde gefilzt, desinfiziert, von Drogenhunden beschnüffelt, inspiziert und ausgefragt.

Ich war, sagen wir es so, leicht genervt und mein Grinsen entwickelte sich zu Angela Merkels bezauberndsten Lächeln. Ich versuchte mir nicht die Laune verderben zu lassen, holte mir einen viel zu teuren Kaffee, informierte mich wie ich zum Hostel komme und stieg in den Bus. Ich sagte dem Busfahrer wo ich hin will, gab ihm 16,- und ich kam mir mit meinem Backpack und meinen Kopfhörern unglaublich cool vor. Ohne meine Coolness zu verlieren, stieg ich an besagter Haltestelle aus, um in den „Link Bus“ zu wechseln. Ich fragte noch 2 Mal nach, ob ich wirklich richtig bin und stieg ein. Der Busfahrer war leider nicht d’accord und wollte erneut 16,- von mir. Interessanter Weise konnte er sich an mich nicht erinnern, obwohl ich auf der Hinfahrt direkt hinter ihm saß, ihn mehrmals mit Fragen löcherte und versuchte einen Deutschen Witz zu machen…. Als er mich erneut abkassieren wollte, hab ich ihn mit meinem Hundeblick angesehen und gemeint, dass ich doch nur ein Zuhause suche. Er ließ musste lachen, winkte mich durch und da saß ich wieder. Im selben Bus. Richtung Flughafen. Selbst ich mit dem Orientierungsinn einer Miesmuschel bemerkte, dass das so nicht stimmen kann und watschelte erneut zum Herrn Busfahrer. Dieser konnte sich nicht an mich erinnern.
Ich erklärte ihm erneut, dass ich nur in mein Hostel will und zeigte ihm dem Weg auf der Karte und natürlich war ich komplett falsch. Herr Busfahrer hatte Mitleid mit mir und gab mir mein Geld zurück, weil er dachte ich habe 2 Mal gezahlt und erklärte mir welchen Bus ich nehmen muss. Ich wackelte zur anderen Haltestelle und ich hasste mein Backpack und diese blöden blöden Kopfhörer.

Nachdem ich mit dem zweiten Bus eine Stunde durch halb Auckland gefahren bin, stellte sich heraus, dass ich an der Bushaltestelle, an der ich eingestiegen bin, wieder aussteigen musste. Ab diesem Moment habe ich Auckland verflucht und erreichte mit meinen von meinem Backpack blaufleckigen Armen vor mich hin grummelnd und mürrisch mein Hostel. Wieso muss ein Backpacker ein Backpack haben, was ist so falsch an Rollkoffern?
Natürlich hatte das Hostel Mittagspause – so 3 Stunden. Cool. Zum Glück durfte ich im Innenhof warten und als ich mich endlich entspannen konnte, wurde die Stille von den zarten Klängen eines Windspiels gestört. Nach ca. 30 Stunden auf den Beinen und innerlichen Nervenzusammenbrüchen, wirkt so ein Windspiel eher entgegen jeglicher Entspannung, forcierte jedoch die innerliche Anspannung. Ich habe es gehasst.
Ich versuchte das Metallgestänge mit Klebeband zu fixieren und stellte fest, dass ich zuwenig Klebeband hatte. Ich verschob die Gestänge, ich wackelte, zog und schob – nichts. Ich gab auf.

Aufeinmal klingelte es an der Tür und als ich öffnete stand Louise aus Manchester vor mir. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir die nächste Zeit auf engstem Raum miteinander leben werden.

 

 

ready to take off

Vorgestern, gegen 21 Uhr Ortszeit bin ich nach einer Reisezeit von 24h in Singapore gelandet. ich brauche gerade meine Hände zum schreiben, deswegen kann ich nicht rechnen, wie spät es bei euch war. für meine deutschen freunde: rechnet definitiv plus 6 stunden, also minus… na ihr wisst schon.

doch bevor ich etwas von mir erzähle, möchte ich meinen Eltern danken. Mama und Papa, ich liebe euch! ohne eure Hilfe, eurer liebe und Unterstützung wäre das alles nicht möglich gewesen. euer elfchen ist bald wieder da. dann mache ich überall in eurem haus das licht an und papi schickt mich freiwillig wieder zurück.

auch noch mal danke an meine freunde für die tolle unterstützung, für diese klasse party und tollen Geschenke. die trillerpfeife mit kaputten kompass und lupe, mit der ich in kombination der integrierten taschenlampe feuer machen kann, hing auf auf der hinreise um meinen hals. auch das eine oder andere geschenk hat sich in meinem rucksack erfolgreich eingenistet.

dresden nach dubai
ich wäre nicht die isi, wenn am flughafen alles normal abgelaufen wäre. in dresden habe ich den halben flughafen beschäftigt. erst gab es meine flüge nicht, dann wollte meine gepäckmarke nicht abgescannt werden, das nutella glas musste ich wieder auspacken (lass es dir schmecken, nelly), meine 2 flüssigkeitentüten habe ich mit der lieben frau vom shop zu einer gebastelt und ich bin gegen ne glastür gelaufen. in frankfurt hab ich zweimal nachgefragt wo Terminal 2 ist, um mich zweimal zu verlaufen und um anschließend im terminal 1 zu landen, ein araber hat mir das lied: “ du hast die haare schön“ vorgesungen, die Zollkontrolle hat eindringlich versucht mir den unterschied zwischen Quantas emirates und qantas erklärt (hab nicht zugehört), ein ticketautomat hat mir hinterhergepfiffen, im flugzeug habe ich jmd. mit einem kissen beworfen, um dann so zu tun, als wäre ich es nicht gewesen, meine kleine vietnamesische sitznachbarin putzte sich einmal stündlich ihre zähne und ich habe mir einen halben tomatensaft und chillimarmelade auf meine helle hose geschmiert. dafür hatte ich meinen eigenen sternenhimmel im flugzeug. hach!

dubai ähnelt von oben einem großen schokoladenstück. jeder stadtteil scheint in gleichmäßige quadrate geteilt zu sein und in den quadraten waren wiederum quadrate, die in quadrate aufgeteilt waren. die straßenkreuzungen erinnern an unausgemalte mantras und mitten in der wüste ragtem aus dem nichts riesige strommasten. bei dem Anflug des Flughafens wurde Dubai in wunderschönes sonnenaufgangslicht getaucht, welches die stadt interessanter erschienen ließ, als sie ist. in den Quadraten standen ca. 50 gleichaussehende villen (ähnlich harry potter), riesige hochhäuser, nur kultur ist keine zusehen. die straßen waren teilweise mit sand zugeweht. ob die Straßenfeger hier gut verdienen? ob es in dubai schilder gibt auf denen „eingeschränkter wüstendienst“ steht? tatsächlich war ich froh hier nicht aussteigen zu müssen. der Flughafen war die katastrophe: sehr hektisch, laut, unfreundlich. gut, dass ich hier knapp 3 stunden warten durfte.

dubai nach singapur
im gegensatz zum ersten flug, war der flug von dubai nach singapur vom Komfort her eine katastrophe. neben meiner fortgeschrittenen müdigkeit, meinem hunger und durst, war es sehr laut, kalt, es gab keinen service und ich saß in der 4er-reihe zwischen, das muss so gesagt werden, 2 goldigen ladys aus südafrika. wir plauderten 6 stunden lang über das leben, über die liebe, die männer, das älterwerden und über alltägliche dinge. beide haben tickets auf der Queen Mary II (mir viel hier der Witz mit der unsinkbar II ein, doch auch südafrikaner verstehen keinen deutschen Humor) gebucht. Colin saß links von mir und ist eine junggebliebene, humorvolle, moderne Frau. sie erzählte viel von ihrem leben in Südafrika und ihrer Familie.
marty (mitte 70) klaute mir einfach meinen tomatensaft und hat dann so getan, als wäre das, das normalste der welt. sie hat ein bewegtes leben hinter sich und erst kürzlich starb ihr mann. doch anstatt zu trauern, geht sie in ihrem hohen alter auf reisen. als ich in ihre gesichter sah, hab ich keine falten gesehen, sondern glück. das hat mich sehr beeindruckt und inspiriert.

in Singapore (30 grad) angekommen, hat mich joanna auch gleich mit offenen armen und einem lachen empfangen. sie und ihr mann holten mich vom bahnhof ab, zeigten mir meinen schlafplatz und dusche und gaben mir anschließend ein Bier. was will frau mehr?

isi raider is onderweg…. fortsetzung folgt.

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Meine Arbeit ist getan

Wider erwarten fiel mir der Abschied von euch schwerer als gedacht. Auf dem Heimweg sind mir ein zwei Tränchen über die Wange gelaufen. Doch ich behaupte tapfer, dass ich etwas im Auge hatte. Eine Fliege oder einen Weißkopfseeadler oder so…

Ihr seid die besten Kollegen der Welt! Wem soll ich jetzt den Moonwalk vorführen, das Notizbuch vollkritzeln, endlos verwirren und nerven, Süßigkeiten oder andere Suchtmittel stibitzen, ermahnen bei Gehwegplatten nicht auf die Striche zu treten (die Welt geht dann unter, meine Güte – so schwer ist das doch nicht!), im Flur ein Kaffeebohnenschrittwettrennen veranstalten, Eierkuchen essen, Highfives + Downfives geben, über Muh Muh’s sprechen oder lernen wie aus einer Eichel ein großer Baum wird oder warum ich in Spanien in einen anderen Zug steigen muss? Ihr werdet mir sehr fehlen, doch gleichzeitig bin ich glücklich, den einen oder anderen Freund gefunden zu haben.

Lange Rede, gar keinen Sinn. Ich fasse mich nun kurz und sage: DANKE für diese wunderbare Zeit. Ihr seid großartig.

Jetzt schaue ich nach vorn (nach oben oder unten würde auch nur zu unnötigen Verletzungen führen), der Terminkalender ist gut gefüllt und es geht nun bald los.

Achtung! Musikalische Untermalung -> Oh Canyon by Fenster Bones

Meine Jacke

Check!
Den Wind-, Wasserhahn- und Kältetest hat sie bereits bestanden. Da ich mein Geld zusammen halten muss, habe ich mich nach gründlicher Recherche für folgendes Modell für 59,99€ zzgl. Versand entschieden. Die COX SWAIN TITANIUM Damen 3-Lagen Hardshelljacke bestellte ich, dank der Amazon Rezessionen, in Größe S und es ist immer noch Platz für dicke bzw. warme Klamotten. Das Material ist angenehm weich und lässt sich wunderbar auf A4 Größe Falten und somit praktisch verstauen. Ob sie den unbeständigen neuseeländisch-winterlichen Temperaturen standhält? Ich werde es „merken“.

Fix & leer

Geschafft.
Mit 10 Mann, 3 Fuhren und jeder Menge Spaß war meine Haubitze in nur 6 Stunden geplü… ausgeräumt und die Möbel und Kisten untergestellt. Merci ihr Fleißmeisen – ihr seid spitze und auch vielen Dank an die Fotografin.

Mein rudimentäres Leben fetzt irgendwie: geschlafen wird zu Hause auf meiner Matratze (hat sich wohl keiner getraut anzufassen) und gegessen wird immer woanders oder einfach gar nicht. Mag mich jmd. zum Abendbrot einladen?

 

 

Mein Leben in Kisten

Ich war noch nie in Kalkutta.
Ich meine aber, dass dort ähnliche Zustände wie in meiner Wohnung herrschen (nein, ich habe heute kein Foto für dich). Ich bin mir ziemlich sicher irgendwo ne Kuh gesehen zu haben, aber dafür habe ich mein eigenes Labyrinth.

In 6 Jahren hat sich verdammt viel angesammelt (vor allem Kram der Kategorie „nicht wichtig“ und einiges, was mir nicht mal gehört). Da ich die meisten Möbel behalte, gehe ich davon aus, nichts von alldem zu brauchen, wenn ich wieder komme. Ich werde nie wieder einen Dekoladen betreten oder will nutzlose Dinge wie Blumentöpfe, Kerzenhalter, Kissenbezüge, Schalen, Schächtelchen, Näppelchen, Schmuck, Platzdeckchen, Vasen, Figuren, Kram & Gedöns geschenkt bekommen. Und obwohl ich rigoros ausgemistet habe – beläuft sich die Anzahl der Kisten auf gut 30 Stück + 804.756 Möbelstücke + Schrott + Undefiniertes.

Robi wan Kenobi und StepHan – einen riesen Dank an Euch beide. Ohne Eure Hilfe, würde ich mich heute unter der Kuh verstecken und leise vor mich hin wimmern … ähm… muhen. Und danke, dass ihr mich vor weiteren Verletzungen bewahrt habt. Ich habe mir, als ihr gegangen seid, nur noch in den Daumen geschnitten – wirklich! 😀

In 21h geht es los. Ich habe gefühlt noch eine Million Dinge zu erledigen und stelle mich auf eine lange Nacht ein. Vorab „muchas gracias y muchos besitos“ an meine 10 kräftigen Helfer.

Noch vor einer Woche von ambivalenten Gefühlen begleitet, will ich diese Wohnung heute nur loswerden.

Mein Haus, mein Stift, mein BLOG.

Hurra
Ich habe es geschafft, mein erster BLOG ist live. (ohne das Internet oder gar WordPress kaputt zu machen)

Von einer fiesen Grippe erholend sitze ich in der Sonne und besinne mich den Dingen die kommen mögen. Die ersten Kisten sind (dank Hilfe) gepackt und meine Zwitschervilla zu Haubitze ist bereit geräumt zu werden. Ich danke schon mal im Voraus allen Helferlein, die mich nächste Woche tatkräftig unterstützen werden.